Stilgeschichten & Herzenssachen #33 -

Was bleibt, wenn man hinschaut - ein Jahresrückblick 

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Das Jahresende ist ein guter Zeitpunkt, um zurückzuschauen – um dann wieder neue Pläne schmieden zu können. Ob beim täglichen Styling, beim Schrank Checken oder beim Modeeinkauf  – manche Themen tauchen einfach immer wieder auf. So auch bei diesem Stilgeschichten-Jahresrückblick.

Im Mittelpunkt steht das Zusammentreffen von Stil und Herz. „Denn das merke ich bei jeder Beratung, wie sehr das äußere Erscheinungsbild unser Innerstes berührt“, sagt Styleberaterin Martina Thurn und präsentiert gemeinsam mit Podcast-Producerin Claudia Riedler-Bittermann eine Auswahl der Themen des Jahres.

 

Das Outfit für 2025

Ein Jahr bringt selten ein einzelnes neues Outfit, aber vielleicht ein Gefühl dafür, wie man auftreten möchte. Für Martina Thurn war das heuer Denim – nicht unbedingt in Form einer Hose, sondern mit anderen Teilen im lässigen Jeanslook. Insgesamt stand 2025 für mehr Lässigkeit, mehr Eigenständigkeit, weniger Anpassung. „Dabei geht es nicht um eine radikale Neuerfindung, als vielmehr um das Hinspüren: Was passt jetzt – zum eigenen Leben, zum Alltag, zur aktuellen Phase?“

Schnäppchen versus Lieblingsstücke

Schnäppchen haben ihren Reiz. Sie versprechen Leichtigkeit, ein gutes Gefühl im Moment des Kaufens. Gleichzeitig zeigt die Erfahrung: Manche dieser Teile bleiben genau das – ein kurzer Moment.

Modeexpertin Martina Thurn empfiehlt deshalb, nicht nur den Preis entscheiden zu lassen, sondern sich die Frage zu stellen: Würde ich dieses Teil kaufen, wenn es kein Schnäppchen wäre? Und: "Ist es den Preis für mich wert - nicht nur preiswert?"

Lieblingsstücke entstehen dort, wo Qualität, Passform und persönlicher Ausdruck zusammenkommen. Sie werden oft nicht sofort gekauft – dafür lange getragen. Ein Kleiderschrank mit vielen Lieblingsstücken ist deshalb kein Zufall, sondern das Ergebnis klarer Entscheidungen.

Fehlkäufe – und warum sie trotzdem passieren

Auch mit Erfahrung, Wissen und Sensibilität lassen sich Fehlkäufe nicht ganz vermeiden. Sie passieren nicht immer aus Unachtsamkeit, sondern oft aus Verführung: durch Trends, Bilder, Erwartungen. Entscheidend ist der Moment der Ehrlichkeit beim Kauf – passt es wirklich, oder ist es eigentlich ein bisschen zu groß, zu bunt, zu eng?

Wenn es doch passiert, hilft der Humor. „Man kann über diese Fehlentscheidungen und die eine oder andere Jugendsünde auch einfach schmunzeln und es beim nächsten Mal besser machen“, sagt Martina Thurn. Teile, die nicht mehr passen, könne man auch gut spenden, verkaufen oder in ein Second-Hand-Geschäft bringen.

Aha-Erlebnisse

Im Rückblick sind es oft nicht die großen Stilregeln, die im Gedächtnis bleiben, sondern kleine Erkenntnisse: eine Farbe, die nicht passt, oder die Optimierung der Längen, die den großen Unterschied macht.

Ein wiederkehrendes Aha-Erlebnis betrifft die emotionale Bindung an Kleidung. Teile werden nicht nur wegen ihrer Form oder Farbe behalten, sondern wegen der Erinnerungen, die mit ihnen verbunden sind. Martina Thurn beschreibt Ausmustern deshalb nicht als rein praktischen Akt: „Es geht dabei oft auch um Abschied, um Erinnerungen und darum, anzuerkennen, was einmal wichtig war.“

Struktur im Kleiderkasten

Ein Kleiderkasten soll unterstützen, nicht belasten. Struktur bedeutet dabei nicht Strenge, sondern Übersicht und Erleichterung im Alltag. „Struktur ist also auch ein Akt der Selbstfürsorge: Ein übersichtlicher Kleiderkasten entlastet und unterstützt tatsächlich täglich!“, sagt Martina Thurn und liefert drei einfache Leitfragen, die Klarheit schaffen: Ist es meine Farbe? Ist es mein Schnitt, meine Länge? Ist es mein Material, mein Muster?

Struktur entsteht dort, wo Dinge gut kombinierbar sind und zum eigenen Leben passen. „Bei Schrankchecks hänge wir deshalb die Teile in Kombinationen zusammen, das hilft, im Alltag mit einem Griff das Richtige für den Tag zu finden.“

Veränderungen

Viele Menschen erleben Phasen, in denen sich ihr Stil verändert. In der Psychologie spricht man davon, dass diese Veränderungen alle sieben Jahre stattfinden. In jedem Fall gilt: Lebenssituationen, Rollen und Bedürfnisse wandeln sich. Und das zeigt sich auch im Äußeren.

Die Stilexpertin  betont, dass Veränderung kein Bruch ist, sondern ein natürlicher Prozess. „Stil darf mitgehen – und sich immer wieder neu zeigen.“ Und im besten Fall finde man immer mehr zu sich selbst.

Frisuren

Frisuren sind mehr als nur Haare auf dem Kopf. Sie sind Ausdruck, Schutz, Experiment und manchmal sichtbares Zeichen innerer Prozesse. Und Veränderungen am Kopf sind oft eng mit persönlichen Entwicklungen verknüpft.

Für Frauen sind Haare oft auch mit Weiblichkeit verbunden, „da wird um jeden Zentimeter gerungen“, sagt die Styleberaterin. Wichtig ist für sie deshalb das eigene Verhältnis zu den Haaren. Das gilt auch für die Männer. Das Innere müsse zum Äußeren passen – und auch zur Frisur.

Weiblichkeit, Männlichkeit – und alles dazwischen

Diversität ist ein wichtiges Thema in der Gesellschaft, das sich im Stil wiederfindet. Martina Thurn macht deutlich, dass es weniger um Begriffe oder Etiketten geht als um Wirkung und Stimmigkeit. „Es gibt viele Schattierungen zwischen den Geschlechtern.“ Ob Männer oder Frauen – jeder kann weibliche und männliche Anteile zeigen und ausleben. Denn Stil entsteht dort, wo man sich erlaubt, diese Vielfalt zuzulassen – ohne Bewertung, ohne Rechtfertigung.