
Stilgeschichten & Herzenssachen #34 -
Nach der Brustkrebs-Diagnose: Wie das Äußere inneren Halt geben kann
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Barbara Bohrn
Alter: 53
Beruf: Unternehmensberaterin
Wohnort: Linz-Zaubertal
Kleiderschrank: sehr ordentlich und strukturiert
Das wertvollste Teil: pinker Übergangsmantel
Stil: weiblich
Größter Fehlkauf: enge Markenjeans
Lieblingsfarben: pink, rosa und schwarz
Das schönste Kompliment: Gut schaust du aus!
Mama zog sie beide gleich an – die zweieiigen Zwillingsschwestern. Doch spätestens am Ende der Volksschulzeit trennten sich die modischen Wege. „Meine Schwester war eher burschikos unterwegs, ich mochte Röcke und Strumpfhosen“, erinnert sich Barbara Bohrn. Vorbilder? Hatte sie keine. Dafür einen frühen Sinn fürs Eigene.
In der Jugend ging es auf den Flohmarkt. Opa-Sakkos, die vor dem Tragen unbedingt gereinigt werden mussten – das war die klare Vorgabe der Mutter. Heute weiß Barbara genau, was für sie ein sogenanntes "Einser-Outfit" - also ein Outfit, das immer passt - ist: ein karierter Schottenrock, dazu ein schwarzes Oberteil, akzentuiert mit einer Kirschenbrosche, die das Rot aus dem Rock aufgreift. Knallige Röcke kombiniert sie gern mit Stiefeln und schwarzen Basics. „So fühle ich mich wohl“, sagt sie - und sitzt uns auch heute beim Podcast-Interview ganz entspannt genauso gegenüber.
Ordnung spielt bei alldem für Barbara eine große Rolle. Beruflich ist sie für andere Strukturgeberin und weiß daher, wie sehr ein gut organisierter Kleiderschrank entlastet. Alles ist so sortiert, dass es rasch einsetzbar ist – auch an stressigen Tagen. Martina Thurn rät ohnehin zur Gelassenheit: „Neue Outfits sollte man sowieso lieber an gemütlichen Tagen ausprobieren - das entspannt, wenn es dann wirklich um etwas geht.“
Wenn der Körper sich verändert
Veränderungen im Leben führen oft auch zu Stiländerungen. Barbara Bohrn spricht offen über ihre Brustkrebserkrankung – Operation und Chemotherapie inklusive. In der Phase mit Stütz-BH wurde ein schwarzer Hosenanzug zu ihrem verlässlichen Begleiter: Er kaschierte, was sie nicht zeigen wollte, enge Shirts waren keine Option.
Die größte Veränderung betraf allerdings die Haare. „Zuerst wuchsen sie nicht mehr, dann fielen sie büschelweise aus. Als mein Mann sie mir abrasierte, war es plötzlich leichter“, erzählt sie. Eine Perücke kam für sie nicht infrage. Stattdessen trug sie weiche, dünne Hauben. Als die Haare wieder nachwuchsen, kamen zuerst Stoppeln, dann Locken. Ein bekanntes Phänomen nach einer Chemotherapie. „Interessant ist: ich wollte in dieser Zeit ständig erklären, warum ich so eine schräge Frisur trage.“
„Die Frisur ist auch oft in meinen Beratungen ein großes Thema“, sagt Martina Thurn. „Die Haarlänge wird zum Beispiel stark mit Weiblichkeit verknüpft.“ Barbara Bohrn trug immer mittellange Haare. „So richtig wie ich selbst fühlte ich mich erst wieder mit meinem Bob – ohne Locken. Da war ich wieder ich.“
Eine weitere Veränderung nahm sie bewusst an: Die Haare wuchsen in einem schönen Grau nach – und sie beließ es dabei. „Dass ich mir das Färben spare, macht mich froh.“ Außerdem liegt Grau seit dieser Zeit ohnehin voll im Trend."
Später wurden auch Wimpern und Augenbrauen lichter und wuchsen blasser nach. Die Konsequenz: stärkere Farben, eine markante Brille, seit Kurzem auch große Ohrringe als Akzent. Martina Thurn ergänzt: „Ich finde das toll! Kräftigerer Lippenstift oder ein wenig Rouge können hier zusätzlich unterstützen.“
Heute schaut Barbara Bohrn in den Spiegel – und lächelt. Sie möchte sympathisch und schick wirken – das entspricht ihr. Sie kauft gern Secondhand und findet dort Stücke, die nicht jede trägt. Sie ist angekommen.
Stil-trifft-Herz-TIPPS (von Martina Thurn) – zum Thema "Gestaltung des Äußeren in einer Krise"
1. Selbstwert & Identität: Sich gepflegt zu fühlen und man selbst zu bleiben stärkt den Selbstwert – gerade in schweren Krankheitsphasen.
2. Struktur: Pflegerituale und Kleidungsroutinen geben Halt und vermitteln ein Stück Normalität.
3. Umfeld: Wer versucht, strahlender zu wirken, erlebt oft auch eine positivere Reaktion des Umfelds.
4. Farbe: Farbe bringt Lebensfreude. Man darf sie tragen – auch dann, wenn es einem gerade nicht gut geht!