Stilgeschichten & Herzenssachen #35 -

Stilvoll in verschiedenen Lebensrollen - Wie Kleidung unsere Entwicklung begleitet

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Sabine Gebetsroither

Alter: 52
Beruf: Coachin, Trainerin, Personalberaterin, Yogalehrerin, Unternehmensberaterin
Wohnort: Lichtenberg/OÖ
Kleiderschrank: bunt - mittlerweile! 😊
Das wertvollste Teil: Die Yogahose
Stil: natürlich-feminin, und gerne lässig dazu!
Größter Fehlkauf: oranger Schal und rotes Kleid
Lieblingsfarben: Flieder, Rosa und neu: Zitronengelb
Das schönste Kompliment: Du bist eine natürliche Schönheit!

 

Sabine ist vieles. Unternehmensberaterin, Coachin, Trainerin, Personalerin, Yoga-Lehrerin – und ganz sicher noch viel mehr. Sie wechselt täglich zwischen Rollen, Kontexten und Anforderungen. Und genau darin liegt eine spannende Frage: Wie bleibt man sich selbst treu, wenn man so viele Facetten lebt?

Die Antwort beginnt oft im Kleiderschrank.

Vor über zehn Jahren hat Sabine eine Typberatung gemacht – ein bewusster Schritt hin zu mehr Klarheit im eigenen Stil. Kürzlich hat sie diese Erfahrung aufgefrischt. Nicht, weil sie sich neu erfinden wollte, sondern weil sie gespürt hat: Jetzt ist wieder Zeit für Veränderung. Zeit, genauer hinzusehen. Zeit, sich selbst neu zu begegnen.

„Ich habe gemerkt, ich brauche wieder ein bisschen Veränderung. Mal schauen, was mir jetzt passt“, sagt sie rückblickend.

Was sie dabei besonders überrascht hat: ihre Beziehung zu Farben. Sabine liebt Farben – und hat doch oft zu den falschen gegriffen. Kräftige, leuchtende Töne bewundert sie an anderen. Doch bei sich selbst wirken sie einfach anders. Zu dominant. Zu laut. Die wichtigste Erkenntnis aus der Beratung bringt sie auf den Punkt:

"Farbe soll nicht überstrahlen, sondern den eigenen Typ unterstreichen!"

Ein Satz, den Stilexpertin Martina Thurn ihr bei der Auffrischungsberatung mitgegeben hat, und der Sabine in Erinnerung  geblieben ist. Und der sofort Wirkung gezeigt hat. Heute sitzt Sabine im fliederfarbenen Blazer – zugegeben, ein Teil, das längst in ihrem Schrank hing, aber erst jetzt seine volle Wirkung entfalten darf. Manchmal braucht es keinen neuen Kauf, sondern einen neuen Blick.

Auch ihre Lieblingsfarben – Beige, Weiß, Blau und Grün – haben einen neuen Platz bekommen. Diese sehr gedeckten, sogenannten Basisfarben sollten idealerweise weit weg vom Gesicht platziert werden. Am besten als Basisteile, wie Hosen oder Röcken. Das Ergebnis: mehr Strahlkraft im Gesicht, mehr Lebendigkeit im Ausdruck. Kleine Veränderung, große Wirkung.

Doch Stil ist nie nur eine Frage von Farben und Schnitten. Er ist immer auch eine Entwicklungsgeschichte. So auch bei Sabines.

Als Kind und Jugendliche war Kleidung für sie oft mit Unsicherheit verbunden. Sie war eher mollig, die Auswahl war begrenzt, und das Einkaufserlebnis nicht immer einfach. Für ein Ferienlager brauchte sie Jeans – und die einzige, die passte, war ein Modell aus der Herrenabteilung. Ein Moment zwischen Freude und Frust. Zwischen „endlich etwas Neues“ und „warum passt mir nichts anderes?“.

Solche Erlebnisse prägen. Sie formen unseren Blick auf uns selbst – und oft auch unseren Stil.

Und doch gab es auch diese besonderen Momente: Besuche in der „Umtauschzentrale“ mit ihrer Mutter. Stöbern, entdecken, stolz sein. Eine dort entdeckte, beige Lederjacke wurde zum Lieblingsstück – und zu einer sehr positiven Erinnerung, die geblieben ist. Weil Kleidung eben nie nur Oberfläche ist. Sie berührt das Innere.

Mit den Jahren hat sich Sabines Stil verändert. Wie bei vielen Menschen begann alles mit Ausprobieren. Mit Phasen, die man heute vielleicht schmunzelnd als „Stilsünden“ bezeichnen würde. Pumps, Kostüm, immer perfekt passend gedressed. "Immer war alles etepetete", erzählt Sabine. Ihr Wunsch, nach außen zu gefallen, war groß.

Heute sieht sie vieles anders

„Ich habe mich früher oft verkleidet“, sagt sie sehr ehrlich. Ein wichtiger Satz, der zeigt: Mit wachsendem Selbstwert verändert sich auch der Blick auf Kleidung. Sie wird weniger Bühne – und mehr Ausdruck. Weniger Maske – und mehr Haltung. Sabine orientiert sich heute viel weniger an Erwartungen von außen und mehr an ihrem eigenen Gefühl. Was passt zu mir? Was fühlt sich gut an?

"Diese Unabhängigkeit ist sehr wichtig. Wer sich selbst vertraut, trifft stimmigere Entscheidungen – auch in Sachen Stil", meint dazu Stilberaterin Martina Thurn.

Rollenspiele

Und wie gelingt das im Alltag, wenn man so viele Rollen erfüllt?

Überraschend einfach: durch Kombinierbarkeit. Sabine setzt auf Outfits, die sich flexibel anpassen lassen. Eine Jeans, Sneaker, ein schlichtes Oberteil – und dazu ein Blazer. Schon entsteht ein Look, der sowohl im Coaching als auch in der Unternehmensberatung funktioniert. Mal ein Tuch dazu oder andere Schuhe – und das Outfit wirkt gleich formeller.

Es geht nicht darum, für jede Rolle ein komplett neues Ich zu erschaffen. Sondern darum, die eigene Persönlichkeit in verschiedenen Nuancen sichtbar zu machen.

Natürlich gibt es dabei Unterschiede, in verschiedenen Lebensrollen unterschiedliche Outfit-Wahl. Im Workshop darf es etwas besonderer sein, im Unternehmenskontext etwas klarer, strukturierter. Und als Yoga-Lehrerin? Tja, so wäre Sabine sowieso am liebsten die ganze Woche unterwegs - in ihrer äußerst bequemen Yogahose.

Doch selbst hier zeigt sich: Kleidung wirkt – auch nach innen. Ein Blazer kann stärken. Bestimmte Schuhe können Haltung geben. Manchmal reicht sogar ein Detail, das niemand sieht – farbige Socken oder sogar Unterwäsche – um sich selbst anders zu fühlen.

Bei einem Punkt sind sich aber alle einig: Es braucht auch Räume ohne Stilfragen. Zeiten, in denen Kleidung keine Rolle spielt. Für Sabine sind das die Sonntage. Yoga-Hose, T-Shirt, keine Entscheidung. Einfach sein.

„Das ist tatsächlich wie Urlaub“, beschreibt Martina Thurn für sich dieses Gefühl.

Heute, wenn Sabine in den Spiegel schaut, sieht sie eine Frau, die angekommen ist – und gleichzeitig in Bewegung bleibt. Eine Mischung aus der jungen Sabine von früher und einer neuen, weisen Version ihrer selbst. Eine Frau in einer Übergangsphase, die Fragen stellt:

Was möchte ich noch vom Leben? Was kommt noch?

Diese Fragen zeigen sich nicht nur im Inneren, sondern auch im Außen. Stil wird zum Spiegel von Entwicklung. Vielleicht passen auch alte Rollen nicht mehr – genau wie manche Kleidungsstücke. Und so wie man sich von zu engen Jeans trennt, lässt man auch alte Bilder los.

Was bleibt, ist der Wunsch nach Authentizität.

Nicht mehr gefallen müssen. Sondern echt sein dürfen.

Denn genau darin liegt die größte Stärke von Stil: Er gibt uns die Möglichkeit, uns zu zeigen, wie wir wirklich sind. Und öffnet damit auch die Tür für echte Begegnung.

Oder, wie Sabine es leben würde:

Stil ist nicht das, was man trägt.

Stil ist das, was bleibt, wenn man ganz bei sich ist.

 

Stil-trifft-Herz-TIPPS (von Martina Thurn) – zum Thema "Stilvoll in jeder Rolle"

 

Generell gilt: Achten Sie mehr auf Passform als auf Trends - egal in welcher Rolle, denn gut sitzende Kleidung wirkt sofort souveräner!

Die Faustregel dazu lautet: Wenn etwas wirklich gut sitzt, ist insgesamt wesentlich weniger Kleidung insgesamt.

 

Tipp 1. Bauen Sie sich eine „stabile Basis-Garderobe“ auf!

D.h., setzen Sie auf wenige, gut kombinierbare Teile:

- Gut sitzende Jeans/Hosen, ein/zwei typgerechte Kleider, dazu Blazer/Bousons/Blazerjacken

- Alles in neutralen, typgerechten Farben (Bau, Grau, Beige, ev. Schwarz – wenn es Ihnen steht)

Der Vorteil dabei ist: Die selben Teile können sowohl seriös, entspannt oder elegant wirken – je nach Lebenssituation, je nach Styling!

Tipp 2. Arbeiten Sie am besten mit „Stil-Ankern“, statt komplette Outfits pro Situation zu wechseln!

Ein Stil-Anker ist ein Teil, das den Look definiert:

- z. B. ein perfekt sitzender Blazer → das wirkt professionell

- oder eine Lederjacke → für den lässigen, edgy-Look

- oder auch die fließende Bluse → um die feminine Seite zu betonen.

So kann schnell zwischen Rollen gewechselt werden, ohne sich komplett umziehen zu müssen.

 

Tipp 3. Accessoires sind die schnellsten Stil-Wechsel-Gadgets!

Kleine Dinge verändern sofort die Wirkung:

- Schmuck (minimalistisch oder auffällig)

- Schuhe (Sneaker versus Loafer versus Sling Pumps)

Ein Outfit kann zum Beispiel mit Sneakern „lässiger Alltag“ sein und mit Loafern oder Sling Pumps ganz schnell zum „Business Casual“-Look umgestylt werden.